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Was ist Apallisches Syndrom?

Der Begriff steht für ein sogenanntes Wachkoma als Folge einer schweren Hirnschädigung. Apallisch heißt dabei wörtlich übersetzt "ohne Mantel" bzw "ohne Rinde". Ein anderer gelegentlich verwendeter Begriff ist das Coma vigile. Die Patienten liegen scheinbar wach im Bett, sind aber nicht durch äußere Reize erreichbar. Der Blick geht starr und unfixiert ins Leere. Es gelingt nicht, einen Blickkontakt aufzubauen. Das Syndrom kann mit unterschiedlichen neurologischen Ausfällen wie z.B. Lähmungen einhergehen. Neben den scheinbaren Wachzuständen gibt es auch tägliche Schlafrhythmen.

Wie entsteht das Apallische Syndrom?

Ursache für das apallische Syndrom ist immer eine schwere Schädigung des Gehirns, beispielsweise nach einem Schädel-Hirn-Trauma, einem Schlaganfall, einer entzündlichen Gehirnerkrankung (Meningitis, Enzephalitis) oder einer schweren Sauerstoffmangelschädigung nach Reanimation. Man nimmt an, dass es zu einer Entkopplung der Großhirnrinde vom restlichen Gehirn, insbesondere vom Hirnstamm, kommt. Die vom Hirnstamm gesteuerten Funktionen des vegetativen Nervensystems (Atmung, Herzkreislaufregulation und Schlafwachrhythmus) sowie Kau-, Schluck- und ungezielte Schmerzreflexe bleiben ganz oder teilweise erhalten. Dagegen sind aufgrund der schweren Schädigung der Großhirnrinde keine zielgerichteten Muskelbewegungen erkennbar. Auch die differenzierte Empfindungsfähigkeit (Sensorik) und die Weiterverarbeitung von Sinnesreizen (kognitive Fähigkeiten) sind ausgefallen oder schwer gestört. Kann der Betroffene aufgrund einer Schluckstörung nicht essen und trinken, ist eine künstliche Ernährung über Magensonde notwendig. Künstliche Beatmung mit Intubation kann, zumindest in der Frühphase der Erkrankung, erforderlich sein.

Was sind typische Zeichen für ein Apallisches Syndrom?

  • Abhängigkeit von lebenserhaltenden Maßnahmen
  • Offene Augen
  • Keine Reaktion auf äußere Reize
  • Verlust der Sprache und jeder Kommunikationsfähigkeit
  • Lähmungen
  • Inkontinenz
  • Schluckstörungen
  • Bisweilen vegetative und emotionale Reaktionen
Es werden sechs Phasen der Rückführung unterschieden:
  • Apallische Phase (Wachkoma im oben beschriebenen Sinne)
  • Psychomotorische Phase (Esstraining und Kopfdrehen möglich, Wahrnehmung akustischer Reize, optisches Fixieren, Schreien)
  • Nachgreifphase (Lachen, Schmollen, Geräuschverfolgung, Greifen nach Dingen)
  • Klüver-Bucy-Phase (Sprachverständnis, Unterscheiden von Personen und Dingen, erste eigene Bewegungen)
  • Korsakow-Phase (Bewusstwerden der eigenen Situation, erstes sinnvolles Handeln, Sprachaufbau, Stimmungsschwankungen)
  • Integrationsphase (Zunehmende Unabhängigkeit, Beginn der Reintegration in die Gesellschaft)

Wie wird das Apallische Syndrom behandelt?

Im Zuge der Rehabilitation soll dem Patienten ermöglicht werden, die verloren gegangenen Fähigkeiten wieder zu erlernen. Wegen der Schwere und der Komplexität des Syndroms stellt sich dies recht langwierig dar. Da über weite Zeiträume häufig nur kleine Erfolge sichtbar werden, besteht für Pflegende und Angehörige die Gefahr der Resignation. Besonders bei Kindern sind noch gute Erfolge möglich, da ihr Gehirn am ehesten in der Lage ist, sich neu zu organisieren. Gerade die erste Phase der Bewusstlosigkeit ist eine akut lebensbedrohliche Zeit, da Atem-, Herz- und Kreislauffunktionen gestört sein können. Somit ist eine ständige Überwachung unerlässlich. Später ist der Patient durch Infektionen (Harnwege) und Bettlägerigkeit (Wundliegen, Thrombosen, Blähbauch) gefährdet. Hierzu gilt es, entsprechende Prophylaxen zu treffen.

Je nach Krankheitsphase werden in unterschiedlicher Intensität folgende Therapien angewendet:
  • Ergotherapie
  • Basale Stimulation am Körper und im Gesicht
  • Passive Bewegungsübungen
  • Schlucktraining
  • Übungen zur Körperorientierung
  • Krankengymnastik, je nach Lage:
    • Einzeln
    • In Gruppen
    • Stoffwechselgymnastik
    • Atemgymnastik
    • Beckenbodengymnastik
  • Schwimmbadtherapie
  • Laufschule
  • Physiotherapie
  • Heißluft
  • Rotlicht
  • Massage
  • Reizstrom
  • Inhalation
  • Sauerstofftherapie
  • Bewegungsbäder
  • Logopädie
  • Musiktherapie

Wie wird das alltägliche Leben gestaltet?

Dies hängt von der Phase ab, die der Apalliker gerade durchläuft. Insgesamt ist ein Höchstmaß an medizinisch-rehabilitativen, bewegungstherapeutischen, physiologischen und psychologischen Kenntnissen Voraussetzung für eine möglichst effektive Betreuung. Gerade bei den oft langwierigen Prozessen sind ein großes Einfühlungsvermögen und hohe Überzeugungskraft für die Betroffenen und deren Angehörigen von Nöten. Für die Angehörigen gibt es oft einen eigenen Raum, in dem Sie auf Wunsch auch längere Zeit in Kontakt mit dem Kranken übernachten können.
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